
Dr. Ursula Mehrländer
Leiterin des Gesprächskreises Arbeit und Soziales

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Die Ergebnisse der OECD Studie wurden bereits im Vorfeld vor so einige Karren gespannt, wie die Arbeitszeitdebatte bei Daimler-Chrysler zeigt.
Prof. Dr. Gerhard Bosch vom Wissenschaftszentrum NRW kommentierte speziell die deutsche Situation im Vergleich und stellt gleich zu Beginn einige der vorgenannten Interpretationen in Frage:
Souverän stellt Prof. Bosch fest, dass dabei von falschen Tatsachen ausgegangen wird, da das Zahlenmaterial auf unterschiedlichen Messmethoden basiert.
Bei der Berechnung der Gesamtarbeitszeit für Deutschland wurde von zentral erfassten Werten ausgegangen und dabei wurden die tarifliche Arbeitszeit und bezahlte Überstunden addiert und dann der Krankenstand abgezogen. Unberücksichtigt geblieben sind dabei die ganzen unbezahlten Überstunden, welche gerade in der jetztigen Zeit vermehrt geleistet und aus Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes nicht abgerechnet werden.
Bei der Ermittlung der Arbeitszeit in anderen Ländern hat man die Betroffenen nach der effektiven Gesamtarbeitszeit befragt !
Deutschland steht also nicht so schlecht dar, wie es das Ranking der OECD Studie vermuten lässt.
Längere Arbeitszeit bedeutet nicht mehr Produktivität: "Kürzere Arbeitszeiten wirken als Produktivitätepeitsche" (Prof. Bosch)
In den letzten Jahren sind die Lohnkosten stark gestiegen, die Kaufkraft (inflationsbereinigtes Netto-Gehalt) jedoch gesunken. Verringerte Reglementierungen auf dem Arbeitsmarkt sind notwendige Voraussetzungen zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen sagt die OECD. Die Unternehmen können die Lohnnebenkosten durch flexible Arbeitszeiten wie Arbeitszeitkonten, Zeitverträge etc. senken.
Abgesehen davon, dass wir keine "Überstundenkultur" haben wie beispielsweise in Osteuropa, basiert das deutsche System auf Klasse statt Masse:
Einer der wichtigsten Assets unseres Landes ist die Qualifikation unserer Arbeitnehmer - nur so sind wird als Hochlohnland Exportweltmeister geworden.
Die Transfers nach Ostdeutschland geschehen auf Kosten der Zukunfsinvestitionen in Bildung, F&E und Infrastruktur - Qualifizierung und Innovation haben in den letzten Jahren in Deutschland gelitten.
Dies ist eine der Ursachen für die Wachstumsschwäche: In der Schweiz sind 22% der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ohne Arbeit, in Großbritannien 25%, aber bei uns in Deutschland sind es 35% !
Vor diesem Hintergrund möchten wir uns deswegen mit dem Zusammenhang von Arbeit und Weiterbildung beschäftigen:
Lebenslanges Lernen könnte sich als wirksames Mittel zur Verbesserung der langfristigen Beschäftigungsaussichten erweisen und so den Zielkonflikt zwischen Effizienz und sozialer Gerechtigkeit entschärfen.
Verstärkte Bemühungen um eine Verankerung des lebenslangen Lernens sind notwendige Voraussetzungen zur Schaffung von mehr und besseren Arbeitsplätzen. Das heißt, dass Weiterbildung nicht nur die Löhne sondern auch die Anzahl der Arbeitnehmer erhöht, sagt die OECD.
Die Studie zeigt anhand empirischer Befunde, dass – unter sonst gleichen Bedingungen – Arbeitnehmer, die an beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, mehr Chancen haben, ihren Arbeitsplatz zu behalten, als Arbeitnehmer ohne Weiterbildung.
Die Wahrscheinlichkeit eines erwachsenen Arbeitnehmers, der 10% mehr Zeit der Weiterbildung widmet arbeitslos zu sein verringert sich dadurch um 2% (Formel).
Und je besser ein Arbeitnehmer qualifiziert wird, umso teurer wird es für ein Unternehmen, seine Position neu zu besetzen.
Es gibt ferner auch Hinweise darauf, dass Weiterbildungsmaßnahmen für eine bestimmte demographische Gruppe keine bedeutenden Verdrängungseffekte innerhalb dieser Gruppe zur Folge haben; vielmehr kommt es zu einem positiven Nettobeschäftigungseffekt für die Gruppe insgesamt:
Laut der OECD Studie erhöht Weiterbildung das Einkommen um 4,5 %, die Teilnahme an Weiterbildungen erhöht die Karrieresprünge um 2 %.
70-90 % der Teilnehmer an einer Weiterbildung empfinden die Weiterbildung positiv, sie fühlen sich ihren Aufgaben besser gewachsen, arbeiten stressfreier und produktiver.
Wenn jemand weniger Angst um den Job hat, wird er seltener krank (map-report).
Auch bei einem Stellenverlust sind die Wiederbeschäftigungschancen von Arbeitnehmern, die zuvor an Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen haben, relativ gut.
Berufliche Weiterbildungsmaßnahmen dürften daher am lohnendsten für wenig qualifizierte Arbeitnehmer sein, die für negative Schocks besonders anfällig sind und häufig zwischen Beschäftigung und Arbeitslosigkeit bzw. Nichterwerbsbeteiligung hin- und herwechseln, was die Aufgabe der Arbeitsmarktpolitik erschwert.
Jugendliche sind wenig qualifiziert. Zielorientiert und pragmatisch ermöglicht DISCO, die tatsächlich am Arbeitsmarkt erforderlichen Kernkompetenzen, wie z.B. Computerwissen, Bewerbungs-, oder Wirtschaftskompetenz etc. kostenlos zu erwerben.
Unterdurchschnittlich wenig ist Weiterbildung ein Thema bei Kleinbetrieben und Betrieben mit traditioneller Arbeitsorganisation, insbesondere also beim Handwerk. Dies unterstreicht, warum bisherige Bemühungen gescheitert sind, dem Handwerk eine Weiterbildungskultur nahezubringen.
Zusammenfassend lautet ein erstes Fazit der OECD Studie:
Qualifizierung statt länger arbeiten


